Mittwoch, 10. Dezember 2008

Kaffee auf zwei Beinen

Das Nutzen der öffentlichen Münchner Verkehrsmittel gilt im Zeitalter des ökologischen Bewusstseins als schick


„Ich fahr mit den Öffentlichen“


steht auf stolzer Managerbrust geschrieben. Und so tummeln sich tagtäglich in frühster Morgenstunde illustre Völkchen vor Bus- und Tramhaltestellen, oder schlürfen auf U- und S-Bahnsteigen einen Cappuccino-to-go. Der gilt nämlich auch als schick und passt zum öffentlichen Image prima dazu. Besonders beliebt ist er bei den unterirdischen Nutzern der Verkehrswelt. Man findet die Kaffeeköstlichkeiten gerne an U-Bahnstationen oder an S-Bahnhöfen.

Selten verirrt sich ein solcher Kaffeebecher in die Tram oder in den Bus – zu ruckelig die ganze Angelegenheit.


Nun könnte man denken, dass die Nutzer der Öffentlichen einander sympathisch finden. Weit gefehlt, denn ein eingefleischter Tramfahrer würde eher einen zwanzig Minuten Umweg in Kauf nehmen, bevor er seinen Lackschuh in eine S- geschweige denn U-Bahn setzt. Der Untergrund wird nämlich von den „Überirdischen“ als Loch gesehen, als dreckige, mit Ratten und Mäusen verseuchte Viehschleuse. Nie würde ein Tramfahrer das nostalgische Ruckeln der Bahn und das glänzende Tageslicht freiwillig dafür eintauschen. Es sei denn, ein unternehmungslustiger Obdachloser kreuzt seinen Weg. Unauffällig sitzen die zotteligen und oft Streng riechenden Mitbürger in Bussen und Bahnen. Umringt sind sie meist von vielen freien Sitzplätzen.


Sollte sich nun ein Lackschuh, (Handy am Ohr und vom Stress getrieben), unbeabsichtigt auf solch einen freien Platz setzen, wünscht er sich nun doch den Kaffee-to-go. Da könnte er nämlich jetzt seine Nase reinhalten.

Dienstag, 25. November 2008

Am Anfang war die Bohne

Kein Getränk der Welt versteht es so gut wie die Tasse Kaffee, als Bindeglied zwischen Mensch und Umgebung aufzutreten. Man denke nur mal an die postsexuelle Verlegenheitsfrage:

Wolln wir uns nochmal auf'n Kaffee treffen?“

Und bei der Sozialisationsarbeit hört die Wirkungskraft des edlen Türkentranks noch lange nicht auf. Man denke nur mal an den ersten Schluck am Morgen. An den Moment, wo die Annäherung des verschlafenen Geistes an die trübe Realität stattfindet – der Katalysator der Lebensgeister.

Und dann stelle man sich mal vor, es gäbe eines Morgens keinen Kaffee mehr! Vorbei wäre es mit der Ausgeglichenheit von Bankern, Redakteuren und Busfahrern. Keine Kaffeepausen mit alteingesessenem Gebrabbel: „Was schmeckt der Kaffee heute wieder scheiße“. Wohlmöglich gäbe es sowieso keinen Smalltalk mehr. Wo und wie sollte der auch stattfinden? Ausgestorben sind die Kaffeeküchen und Gänge, wo einst die Automaten standen. Vorbei die Zeiten der Geselligkeit in Cafés und Espresso-Bars. Nichts mehr mit Coffee-to-go – Tempeln und dem Quick-Fix. Und an der Stelle, wo einst der Kaffee stand klafft nun ein großes Nichts. Ein Nichts, was es erst einmal zu füllen gibt – auch innerweltlich.

Ich liebe Kaffee.