Montag, 4. Mai 2009

Der Katzenschisskaffee

Es gibt nur Weniges was Menschen heutzutage noch anekelt. Jedenfalls härten TV-Sendungen wie das „Junglecamp“ die Bevölkerung zunehmend ab. Da essen mehr oder weniger prominente Menschen Hoden, Riesenwürmer und Urwaldsuppe für ein paar Plastiksterne. Vielleicht ist dieser Trend zum Abnormalen auch für meinen Ausflug in die Welt der Kaffeemerkwürdigkeiten verantwortlich. Vielleicht aber auch nur die Neugierde über die elitäre Extravaganz der "Kopi Luwak" Bohne.

Warme Bohnenwurst auf weichem Urwaldboden

Diese kleinen Kaffeebohnen werden auf der Insel Java von katzenartigen Schleichtieren gefressen, durchlaufen deren enzymreichen Magen-Darm-Trackt, um dann als Bohnenwurst auf weichem Urwaldboden zu plumpsen. Einheimische pilgern tagtäglich zu den bekannten Katzenklos, um die edlen Würste einzusammeln, zu putzen und zu verwerten. Versuche, die Kätzchen mit den Kaffeekirschen zu mästen, sind brutalst fehlgeschlagen, denn so ein Felckenmusang ist ein sensibles Tierchen und rebelliert gegen diese Mast mit dem Tod.

Der Kopi Luwak im Test

Nun fiel mir durch hochkarätige Kontakte ein durchaus imposantes Päckchen mit "Kopi Luwak" Bohnen in die Hände. Den Wert schätze ich mal auf 300€. Vakuumverpackt hütete ich den Schatz in meinem dunklen Küchenschrank, denn zuerst musste ein Date mit einem gleichgesinnten Kaffeeliebhaber ausgemacht werden. Nach 7 Monaten war es dann endlich so weit. Andächtig öffnete ich die Packung und ließ die Böhnchen in Omas Kaffeemühle prasseln. Die Mühle tat ihr Bestes, doch waren die Brocken viel zu groß, als dass man sie als Kaffeepulver hätte nutzen können.

Was tun wenn Omas Kaffeemühle scheitert?

Nach ein wenig Grübeln entschieden wir uns dann für die Salzmühle des Mitbewohners. Nach gründlicher Reinigung und Wartung der Gerätschaft wurde gemahlen was die Oberarme hergaben – eine halbe Stunde lang! Was der Mitbewohner von der Veredelung seines Salzstreuers halten würde war in diesem Fall nebensächlich. Auf jeden Fall hat das Ding super funktioniert und die Bohnen waren zu Pulver gemacht. Der Duft des gemahlen Katzenschisskaffees ist übrigens einmalig! Er duftet immens nach Kakao und lieblichem Kaffee. Einmalig!

Die Zubereitung verlief dann relativ unspektakulär. Die Aluminium-Espressokanne hat ihr Bestes gegeben und lieferte uns schließendlich den edelsten aller Kaffeetropfen – jedem von uns genau zwei Espressotässchen. Das Geschmackserlebnis ist bombastisch und jedem Kaffeeliebhaber wärmstens zu empfehlen... auch wenn ein Tässchen des erlesenen Espresso 16€ kostet!